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Interview mit Dr. Joachim Stoll von Koffer24.de

Beim Deutschen Versandhandelskongress vom 30.09. – 2.10.2008 in Wiesbaden werden sich Europas führende Top-Unternehmer, Top-Manager und Führungskräfte für Versandhandel, Dialogmarketing und E-Commerce treffen, um über die Zukunft des Versandhandels zu sprechen. Dabei werden neue Strategien und Konzepte präsentiert, Preise verliehen und zukünftige Perspektiven für den Versandhandel aufgezeigt.

 

Gimahhot hat es sich nicht nehmen lassen vorab einige Teilnehmer der Veranstaltung zu interviewen. Nach Interviews mit Experten aus dem Hause Baur.de und BuyVIP sowie aus den Marksegmenten Urban Street Wear und Glas, haben wir uns nun dem Marktsegment Koffer zugewandt und dazu Herrn Dr. Joachim Stoll, Geschäftsführer von Koffer24.de, befragt.

 

Gimahhot:  Vielleicht könnten Sie zunächst am besten ein paar Worte über sich selbst und Leder-Stoll sowie Koffer24 sagen.
Stoll: Leder-Stoll ist das Mutterunternehmen von Koffer24. Seit 1920 betreibt meine Familie in Frankfurt am Main ein Handelshaus für Lederwaren – und das bereits in vierter Generation. Als ich 1998 selbst die Geschäftsführung übernahm, habe ich den Onlineshop Koffer24.de auf den Weg gebracht, der sich schnell zum Marktführer in Deutschland entwickelt hat. Dabei kam es mir von Anfang an darauf an, die Old und die New Economy miteinander zu verbinden. Das bedeutet beispielsweise, dass unsere Hotline nicht in einem Callcenter endet, sondern direkt zu uns führt, wo der Kunde eine persönliche Beratung durch qualifizierte Fachverkäufer erhält. Dieses Konzept hat sicherlich viel zu unserem Erfolg beigetragen.
Gimahhot:  Was sind die Besonderheiten am Marktsegment „Koffer“?
Stoll: Zunächst einmal stellt das Marktsegment „Koffer“ an einen Händler besondere produktspezifische Herausforderungen: Aufgrund ihres großen Volumens sind Koffer aufwendiger in der Lagerung, im Handling und Transport als viele andere Waren. Auch ist der Markt für Koffer im Vergleich etwa zum Textilmarkt ein sehr kleiner Markt. Einen neuen Koffer legt man sich in der Regel viel seltener zu als ein neues Kleidungsstück oder ein paar Schuhe. Weitere Besonderheit ist, dass die Ansprüche der Verbraucher oft gering sind: In vielen Fällen ist der Koffer ein Low-Interest-Produkt, das einfach nur funktionieren und zu einem möglichst günstigen Preis erstanden werden soll.

Eine Ausnahme in diesem Marktsegment bilden die Markenprodukte, mit denen die Besitzer quasi einen Imagetransfer auf sich selbst vollziehen möchten – etwa, wenn sie sich für Koffer von „Rimowa“ entscheiden. Mit seinen über 50 Marken ist Koffer24 gerade in diesem Markenbereich hervorragend aufgestellt. Ebenso erfolgreich vermarkten wir neben Koffern aber auch Businesstaschen aus Leder oder Nylon, Laptoprucksäcke und Pilotenkoffer – um nur einige Produktgruppen zu nennen.

Gimahhot: Sie sind bereits seit 1998 Online-Händler mit Leder-Stoll. Was hat sich in den vergangenen zehn Jahren am Online-Geschäft verändert, allgemein sowie für Ihr Unternehmen?
Stoll: Seit unserem Start hat sich vieles geändert. Die Zielgruppe war zunächst die Gruppe der Internetnutzer überhaupt, und das waren damals noch nicht viele. Gerade einmal 10 Prozent der Deutschen waren „online“. Zu Beginn waren die Umsätze natürlich noch gering, aber wir haben fest an die zunehmende Bedeutung dieses Mediums geglaubt und unsere Chancen erkannt. Heute ist das Online-Geschäft ein zentraler, nicht mehr wegzudenkender Bestandteil, dessen Umsatz den des stationären Geschäftes bei weitem übersteigt.

Zu unseren Kunden zählen heute Menschen aus allen Schichten und Altersklassen, darüber hinaus etliche Behörden und Firmen, die unsere Seriosität schätzen. Auch Senioren gehören ganz selbstverständlich dazu – die „Silver Surfer“ sind sogar eine signifikante Größe. Was sich inhaltlich geändert hat, ist insbesondere die hohe Erwartungshaltung im Hinblick auf die Professionalität des Webauftritts, die Produktdarstellung, schnelle Lieferzeiten und einen umfassenden Service. Aber das ist etwas, das nicht nur uns betrifft, sondern ebenso den Wettbewerb in unserem Marktsegment und natürlich auch den E-Commerce ganz allgemein.

Gimahhot: Sie zeigen Modernität mit Social-Bookmarking-Buttons auf Ihren Seiten. Passt das mit der Zielgruppe zusammen, nutzen die User das? Lässt sich der Erfolg messen?
Stoll: Wir sind stets bemüht, den hohen Erwartungen nicht nur gerecht zu werden, sondern auch Besonderes zu bieten – wofür unsere bereits erwähnte Beratungs-Hotline ein gutes Beispiel ist. Allerdings kann, wer immer nur das Beste will, gelegentlich auch einmal über das Ziel hinausschießen. Genau so erging es uns mit dem Social Bookmarking. Wir wollten den Kunden ein neues Feature zur Verfügung stellen, doch stieß dieses nur auf ein äußerst geringes Interesse. Rückblickend kann man sagen, dass wir hier ein wenig dem Web-2.0-Hype aufgesessen sind.
Gimahhot: Wie schätzen Sie die Entwicklung des E-Commerce-Marktes ein: Geht der Trend eher zu noch mehr kleinen und spezialisierten Shops oder zu Multishoppingplattformen wie Amazon oder Gimahhot?
Stoll: In den Innenstädten beobachten wir derzeit das „Kaufhaussterben“ – einen Niedergang der guten Sortimenter mit einem breit angelegten Angebot. Viele bekannte Kaufhausketten sind in die Krise geraten, während hochpreisige Boutiquen einerseits und Discounter andererseits Zuwächse zu verzeichnen haben. Ich denke, ähnlich wird sich auch die Entwicklung im Internet vollziehen: Es wird zukünftig ein Nebeneinander von Markenshops und preiswerten Multishoppingplattformen geben.
Gimahhot: Zum Schluss noch eine kleine technische Frage: Warum benutzen Sie noch Frames für Ihre Webseite? Schränkt das nicht die Usability der Seite ein?
Stoll: Dies ist eine berechtigte Frage. Denn in der Tat sind Frames mit verschiedenen Nachteilen verbunden – weshalb ihre Tage auch bei Koffer24 gezählt sind.

Vielen Dank fürs Gespräch, Herr Dr. Stoll, und weiterhin viel Erfolg mit

 

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