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Interview mit Georg Dittrich von maskworld.com

Hinsichtlich des Deutschen Versandhandelskongresses, der in diesen Tagen stattfindet, haben wir mit vielen E-Commerce-Experten aus unterschiedlichen Unternehmen gesprochen. Nun hat sich Georg Dittrich zu einem Interview bereiterklärt. Er ist zusammen mit Roman Matthesius Geschäftsführer von maskworld.com, einem Onlineshop rund ums Verkleiden.

 

 

Gimahhot:  Vielleicht könnten Sie zunächst am besten ein paar Worte über sich selbst und maskworld.com sagen.
Dittrich: Sehr gerne. Ich bin einer der Gründer von maskworld.com und bei uns hauptsächlich für den E-Commerce Bereich verantwortlich. Wir haben uns auf hochwertige Verkleidung spezialisiert, d.h. man bekommt bei uns alles was man braucht, um sich fantasievoll, realistisch oder abgedreht zu verkleiden. Das fängt bei „kleinen“ Sachen wie Kontaktlinsen oder verfaulten Zähnen an und hört bei kompletten Kostümen und historischen Repliken noch lange nicht auf.

Angefangen haben wir dabei ganz klassisch, so wie man es noch aus alten Märchenbüchern kennt – wir haben die ersten Masken als Schüler auf Flohmärkten verkauft und uns damit Schritt für Schritt das Investitionskapital für unser Unternehmen selbst verdient. Das war eine harte Zeit, hat aber auch viele Vorteile – wenn man kein Venture Capital in den Rachen geworfen bekommt, handelt man automatisch langfristig und unternehmerisch und überlegt sich zweimal, ob und wofür man sein hart verdientes Geld verbrennt.

Gimahhot:  Sie sind deutschlandweit der führende Spezialist in Sachen professionelle und hochwertige Verkleidung. Bei Masken, Kostümen und Vampirzähnen denkt man ja eigentlich erstmal an Karneval, aber Sie haben auch Kunden aus der Theater- und Filmbranche. Welchen Anteil machen diese aus?
Dittrich: Das stimmt – der Verkleidungsbegriff wird natürlich zuerst einmal mit den beiden großen Events, also Karneval und Halloween assoziiert. Aber man glaubt kaum, wie viele Anlässe es eigentlich gibt, um sich zu verkleiden: Da sind z.B. die Mottoparties, die immer beliebter werden. Es gibt viele Film- und Comic-Fans, z.B. von Herr der Ringe über Harry Potter bis Iron Man, die sich auf Conventions treffen und gerne aussehen möchten wie ihre Idole, aber auch eine Menge Kunden, die sich für bestimmte historische Epochen begeistern und dafür die passende Verkleidung suchen. Dazu kommen in letzter Zeit auch vermehrt Spieler von Onlinerollenspielen wie World of Warcraft.

Aber auch wenn man über eine beliebige internationale Fachmesse läuft, findet man häufig unsere Kostüme, viele Aussteller nutzen die knappen Sexy Kostüme als Eye-Catcher oder lassen Promoter als übergroße Handys durch die Hallen laufen. Und der Weihnachtsmann kommt auch in den meisten Familien ins Haus … wenn man sich eine Weile mit der Thematik befasst, fragt man sich eigentlich eher, wer sich denn gar nicht verkleidet!

Und natürlich sind auch die angesprochenen Profis eine wichtige Klientel – gerade für uns als Anbieter von qualitativ hochwertigen Produkten; die Umsätze machen in diesem Bereich zwar nur einige Prozent aus, verteilen sich aber gleichmäßig über das ganze Jahr und helfen uns der Saisonalität unseres Geschäfts ein bisschen entgegenzuwirken.

Gimahhot: Würden Sie uns verraten für welche Film- oder Theaterproduktion maskworld.com Kostüme oder maskenbildnerische Spezialanfertigungen geliefert hat?
Dittrich: Wir arbeiten regelmäßig mit verschiedensten Theatern, Opernhäusern und Filmproduktionen zusammen. Meistens geschieht der Einkauf dabei ja direkt durch die Masken- und Kostümbildner, die mit unseren Produkten arbeiten, so dass wir häufig gar nicht wissen, in welchen Produktionen unsere Sachen verwendet werden – es sind aber sehr viele! Das bekannteste Projekt bisher ist der Film „Königreich der Himmel“ von Ridley Scott, für den eine große Anzahl von mittelalterlichen Kostümen angefertigt wurde und gerade aktuell hat zum Beispiel Peter Fox von Seed für sein Soloprojekt ein lustiges Video mit Affenmasken von uns gedreht.
Gimahhot: Ihr Kerngeschäft ist der Onlinehandel, aber Sie haben auch ein Ladengeschäft in Berlin. Was war zuerst da, und welche Vorteile haben beide Formen des Geschäfts?
Dittrich: Wir haben zuerst mit dem Onlinehandel angefangen, weil wir immer von den Vorteilen dieses Vertriebskanals überzeugt waren – auch wenn direkt nach dem Platzen der Dotcom-Blase viele Experten erst einmal nicht an den E-Commerce geglaubt haben. Aber gerade die relativ geringen Fix- und Administrationskosten, die Skalierbarkeit und die Möglichkeit eine riesige Auswahl an Produkten präsentieren zu können, haben uns schon immer begeistert.

Auf der anderen Seite waren wir auch von Anfang an davon überzeugt, dass der stationäre Handel seine Daseinsberechtigung hat und dass die unterschiedlichen Kanäle nicht zwingend miteinander konkurrieren, sondern sich optimal ergänzen können. Gerade bei unseren Produkten, die zum Teil unglaublich realistisch sind, geht doch nichts über die persönliche Produkterfahrung und -beratung. Und durch die Lage unseres Shops direkt in Berlin-Mitte ist der Laden auch eine perfekte Werbemaßnahme, durch den viele Kunden überhaupt zum ersten Mal mit uns in Kontakt kommen.

Darüber hinaus ist so ein Laden auch eine unglaublich effektive Maßnahme, um Vertrauen aufzubauen. Kunden haben gerne – wenn es vielleicht auch nur eine psychologische Komponente ist – eine Telefonnummer oder Adresse, wo sie sich im Fall der Fälle auch direkt melden könnten – und wir bieten beides.

In jedem Fall war für uns von Anfang an klar, dass beide Kanäle sehr unterschiedlich sind – online setzen wir dank der niedrigen Fixkosten und der guten Skalierungsmöglichkeiten ja gerade auf den Long Tail Aspekt, was in einem stationären Ladengeschäft naturgemäß gerade nicht genauso umsetzbar ist.

Eine grundlegende Regel wird aber auch bei jedem neuen Verkaufskanal Bestand haben – man muss, wenigstens mittelfristig, als Unternehmen mehr einnehmen als man ausgibt. Das vergisst der eine oder andere bei aller Euphorie schon mal.

Gimahhot: Ist man als Geschäftsführer in einem Verkleidungsshop selbst ein Fan von Karneval und Halloween?
Dittrich: Nicht zwangsläufig. Als waschechter Berliner kann ich mich persönlich mehr mit Halloween als Karneval anfreunden, aber in jedem Fall hilft uns auch unsere persönliche Begeisterung für die Verkleidung, ein Gefühl für Trends und neue Produkte zu entwickeln. Ich denke sonst wären wir auch nie auf die Idee gekommen, so eine Firma zu gründen.
Gimahhot: In der News-Rubrik finden sich Beiträge über Erlebnismessen und Events wie dem Zombie Walk, die mit Social-Bookmarking-Buttons versehen sind. Sind Sie zufrieden mit diesen Maßnahmen, werden die Funktionen genutzt?
Dittrich: Die Social-Bookmarking Buttons haben wir in der Form erst vor Kurzem integriert – wenn ich ehrlich bin, reicht mir die Datenbasis da nicht aus, um eine fundierte Bewertung abzugeben. Generell werden die News aber von unseren Usern sehr stark frequentiert. Wir wollen damit zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten und Anlässe für Verkleidungen sind und dass sich eben nicht nur alles auf den Karneval reduzieren lässt.

Und indem wir unseren Kunden über die reinen Produkte hinaus noch viele Tipps und Tricks verraten, entsteht für die Besucher unserer Website ein zusätzlicher Mehrwert, und es wird deutlich, dass wir verstehen, worum es beim Thema Verkleidung geht.

Gimahhot: Sie bieten seit Kurzem einen eigenen Bereich für „Mittelalter, Fantasy und LARP“ an. Live Action Role Playing (LARP) erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Haben Sie selbst schon einmal an einem Liverollenspiel teilgenommen oder würden Sie, wenn sich die Möglichkeit ergäbe?
Dittrich: Selbst mal an einem LARP teilzunehmen steht seit ca. 10 Jahren auf meiner Agenda, aber maskworld läßt mir keine Verschnaufpause, so dass ich dieses Projekt noch eine Weile vor mir herschieben werde. Mein Geschäftspartner und einige unserer Mitarbeiter sind aber begeisterte Rollenspieler, so dass ich immer auf dem Laufenden bin, was die aktuelle Entwicklung im LARP angeht.
Gimahhot: Was sehen Sie generell als Trend für die E-Commerce-Branche im nächsten Jahr und welche Pläne haben Sie mit maskworld.com?
Dittrich: Den Trend für das nächste Jahr vorauszusagen, möchte ich mir nicht anmaßen – ich denke die letzten Jahre haben gezeigt, dass Voraussagen im E-Commerce eigentlich immer zum Scheitern verurteilt sind.

Ich denke es gibt viele Trends, die sich gerade parallel entwickeln – angefangen bei simplen technischen Trends, die eigentlich nur Weiterentwicklungen sind, wie der großflächigen Einbindung von Videos, Zoomfunktionen etc., über die verstärkte Integration von sozialen Komponenten bis hin zu komplett neuen Verkaufsmodellen.

Es wird spannend zu sehen, was bei der Masse der Versandhändler am Ende ankommt und soviel Sinn macht, dass sich eine Integration in die Shops lohnt. In jedem Fall gibt es da keine Allgemeingültigkeit und es lohnt sich immer zu hinterfragen, welche Buzzwords und Trends Bestand haben werden und vor allem auch bei der eigenen Kundenklientel funktionieren. Viele Experten sind sich ja zum Beispiel einig, dass in Zukunft alles sozial wird und das Club-Konzepte eine tolle Sache sind – der Versand, bei dem wir unser Druckerpapier bestellen, sollte trotzdem nicht unbedingt eine Communityplattform aufsetzen und das in unsere Papierpreise mit einkalkulieren.

Für uns lohnt sich das unserer Meinung nach dagegen schon, weil die Events, zu denen sich unsere Kunden verkleiden auch schon in der Offline-Welt eine starke natürliche Gemeinschaftsbildung fördern; man kann also jetzt bereits sehen, dass sich unsere Kunden gerne miteinander vernetzen und austauschen und alle Informationen zu ihrem Hobby aufsaugen, die sie kriegen können. Ich denke daher, dass für Händler wie uns der Blick über den Tellerrand des einfachen Verkaufs hinaus sehr wichtig ist.

Einen ersten Schritt in diese Richtung machen wir gerade selbst mit unserem Informationsmagazin halloween.de. Hier können sich die User über alles was mit Halloween & Horror zu tun hat, informieren. Man findet also nicht nur Ideen für Verkleidungen und Schminkanleitungen, sondern kann sich auch über den geschichtlichen Hintergrund informieren und mit Dekotricks und Partytipps, Rezepten und Empfehlungen auf die eigene Feier vorbereiten. Besonders spannend ist dabei für uns, dass das Magazin fast nahtlos in die Hauptseite integriert ist, auf der anderen Seite aber Shop- und Magazininhalte ganz streng voneinander getrennt sind.

Für den Benutzer schaffen wir damit eine einmalige Informationsquelle und können zeigen, wie sehr wir uns selbst mit dem Thema identifizieren. Auf der anderen Seite rücken wir damit hoffentlich auch bei potentiellen Kunden in den Fokus, die sonst nicht auf uns aufmerksam geworden wären.

In jedem Fall ist uns aber wichtig, dass der User, der einfach nur Informationen bei uns sucht, nicht mit Werbebotschaften bombardiert wird. Wer eine Verkleidung kaufen möchte, wird den Weg zu unserem Shop sicherlich finden und diesen dann ja eher als Information, denn als nervtötende Werbung wahrnehmen – die anderen Benutzer sollen sich aber einfach über die ganzen Tipps und Tricks freuen und ihren Bekannten Bescheid sagen, dass sie eine echt tolle Seite gefunden haben.

Gimahhot: Vielen Dank fürs Gespräch, Herr Dittrich, und weiterhin viel Erfolg.
Dittrich: Vielen Dank, das wünsche ich Euch auch!

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